Längst kein Exot mehr: die Künstlersozialabgabe

„Endlich mal eine Abgabe, mit der ich nichts zu tun habe“, werden Sie als Unternehmer denken, wenn Sie den Begriff „Künstlersozialabgabe“ hören. Doch der exotisch anmutende Begriff trügt! Die Relevanz ist tatsächlich völlig unabhängig davon, ob  der Unternehmer „etwas mit Kunst am Hut hat“. Schauen Sie doch einmal in die Konten Ihrer Buchhaltung, und zwar genauer in den Bereich der Werbeaufwendungen. Sind hier etwa Kosten einer Werbeagentur für die Gestaltung einer Firmenbroschüre zu finden? Wurde evtl. ein Fotograf angeheuert, der für vernünftiges Bildmaterial auf der Webseite sorgen sollte? Liegen diese oder ähnliche Sachverhalte vor, sind Nachforderungen der Künstlersozialkasse nicht mehr weit.  In der seit dem Jahr 1983 bestehenden Künstlersozialversicherung (KSV) sind selbständige Künstler und Publizisten unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich renten-, kranken- und pflegeversichert. Die KSV finanziert sich zu 50 % aus Beiträgen der versicherten Künstler und Publizisten, zu 20 % aus einem Bundeszuschuss und zu 30 % aus einer von den Auftraggebern zu tragenden Künstlersozialabgabe. Die Künstlersozialabgabe ist quasi der „Auftraggeberanteil“ zur KSV vergleichbar dem Arbeitgeberanteil bei Sozialversicherungsbeiträgen für Arbeitnehmer. Anders als bei allen anderen Selbständigen hat also ein Unternehmen im Falle der Beauftragung selbständiger Künstler und Publizisten unter Umständen Sozialabgaben zu entrichten. Die Künstlersozialabgabe beträgt  zurzeit 5,2 % der an selbständige Künstler und Publizisten geleisteten Entgelte.  Die Abgabepflicht setzt in der Regel voraus, dass eine natürliche Person (Einzelunternehmer) bzw. Personengesellschaft (GbR, Partnerschaftsgesellschaft) Auftragnehmer ist. Es spielt keine Rolle, ob der Auftragnehmer steuerlich als Freiberufler oder Gewerbetreibender gilt oder ob der Auftragnehmer überhaupt über die KSV versichert ist. Der abgabenrelevante Künstlerbegriff ist grundsätzlich weit gefasst und geht über die im Steuerrecht verwendete Künstlerdefinition hinaus. So setzt „Kunst“ nach der Rechtsprechung der Sozialgerichte lediglich voraus, dass das zu beurteilende Werk den Gattungsanforderungen eines bestimmten Kunsttyps entspricht. Somit sind beispielsweise auch Werbefotografen als Künstler im Sinne der KSV anzusehen. Die künstlerische Qualität ihrer Bilder ist hierbei ohne Belang! Da die Sozialversicherungsprüfer in letzter Zeit sehr gezielt nach „unverbeitragten“ Künstlerhonoraren fahnden, sollten Unternehmer bereits beim Bezug von beitragspflichtigen Leistungen darauf achten, dass seitens der Auftragnehmer in deren Abrechnungen keine Vermischung künstlerischer mit sonstigen Leistungen erfolgt. So lösen etwa bloße Druckkosten keine Abgabepflicht aus und verursachen bei unpräziser Abrechnung schnell unnötige Mehrkosten.

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