Grünes Licht für die rückwirkende Rechnungsberichtigung

Bezieht ein Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechts Leistungen von einem anderen Unternehmer, so steht ihm bekanntlich das Recht zu, die in den Eingangsrechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer bei der eigenen Umsatzsteuerzahllast zum Abzug zu bringen. Für diesen sogenannten Vorsteuerabzug ist allerdings das Vorliegen einer ordnungsgemäßen Rechnung unabdingbare Voraussetzung. Die Pflichtbestandteile eines solchen Abrechnungspapiers sind sogar gesetzlich geregelt, und zwar in § 14 des Umsatzsteuergesetzes. Obwohl diese eigentlich sämtlichen Rechnungsaustellern bekannt sein dürften, gelangen immer wieder Rechnungen in Umlauf, bei denen wichtige Angaben fehlen bzw. nicht korrekt sind, wie bspw. die Steuernummer oder die genaue Bezeichnung des Rechnungsempfängers. In der Hektik des Buchhaltungsalltags fällt dies oft zunächst nicht auf und die moderne Buchungssoftware rechnet ungerührt die 19 % aus dem Bruttobetrag heraus und parkt den Steuerbetrag automatisch auf dem Konto für die abziehbare Vorsteuer. Das Prinzip „aus den Augen- aus dem Sinn“ findet dann oft sein Ende bei der nächsten Außenprüfung des Finanzamts. Es droht die rückwirkende Aberkennung des Vorsteuerabzugs, oftmals verbunden mit erheblichen Nachzahlungen und den allseits „beliebten“ Steuerzinsen von 6 % jährlich. Der betroffene Unternehmer sollte sich jedoch nicht zu lange mit dem Ärger über die rein formellen Gründe für diese Änderung befassen, sondern vielmehr die Korrektur der mangelhaften Rechnung veranlassen. Damit konnte bereits bisher der Vorsteuerabzug gerettet werden, allerdings nur mit Wirkung ab dem Zeitpunkt der erfolgten Berichtigung und somit ohne Einfluss auf die bereits angefallenen Steuerzinsen. Abhilfe kam jedoch kürzlich von den obersten Steuergerichten: sowohl der Europäische Gerichtshof als auch der Bundesfinanzhof haben in ihren Urteilen grünes Licht für eine rückwirkende Berichtigung gegeben, so dass Leistungsempfänger den Vorsteuerabzug zum Zeitpunkt des ursprünglichen Rechnungsempfangs geltend machen können.

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