Baukindergeld – Anträge sind seit dem 18.09.2018 möglich

Bekanntlich ist die Grunderwerbsteuer eine der ärgerlichsten Abgaben überhaupt, besteuert doch der Fiskus hiermit gnadenlos den Wunsch nach einem eigenen Familienheim. In einer Situation, wo wirklich jeder Cent für die mit dem Immobilienerwerb verbundenen (Neben-)Kosten zusammengekratzt werden muss, verlangt auch noch der Staat eine deftige Abgabe. In NRW beträgt diese satte 6,5 % des Immobilienkaufpreises. Statt diese endlich zu streichen oder zumindest deutlich zu ermäßigen, gewährt Vater Staat neuerdings mit dem sogenannten Baukindergeld einen Zuschuss, der nicht zurückgezahlt werden muss. Ein entsprechender Antrag kann seit dem 18.9.2018 gestellt werden. Die Gewährung des Baukindergelds ist an vielfältige Voraussetzungen geknüpft. Zunächst ist erforderlich, dass im Haushalt der Immobilienerwerber Kinder unter 18 Jahren leben, für die Kindergeld bezogen wird. Bei dem neuen Zuhause muss es sich um die einzige Wohnimmobilie handeln. Das Haushaltseinkommen darf maximal 90.000 EUR pro Jahr bei einem Kind betragen. Für jedes weitere begünstigte Kind erhöht sich das diese Grenze um jeweils 15.000 EUR. Als Haushaltseinkommen gilt das zu versteuernde Einkommen des Antragstellers und ggf. des Ehe- oder Lebenspartners oder des Partners aus eheähnlicher Gemeinschaft. Relevant ist das Durchschnittseinkommen des vorletzten und vorvorletzten Jahres vor dem Antrag. Für Anträge in 2018 zählt also das Einkommen von 2016 und 2015. Der Kaufvertrag (für ein neues/bestehendes Haus oder für eine Eigentumswohnung) darf frühestens am 1.1.2018 unterzeichnet worden sein. Bei einem Bau in Eigenregie darf die Baugenehmigung ebenfalls nicht vor dem 1.1.2018 erteilt worden sein. Der jährliche Zuschuss beträgt 1.200 EUR pro Kind und wird maximal 10 Jahre lang gewährt. Dies setzt jedoch voraus, dass das Eigenheim in dieser Zeit für eigene Wohnzwecke genutzt wird. Alle wichtigen Informationen zum Baukindergeld sind auf der Internetseite der KfW unter www.kfw.de/424 abrufbar.

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Säumniszuschläge – Verspätungszuschläge – Zinsen

Bekanntlich setzt das Finanzamt im Rahmen von Steuerveranlagungen neben den primären Steuern (wie etwa Einkommen- oder Umsatzsteuer) immer wieder sogenannte „steuerliche Nebenleistungen“ fest. Um gegen diese Forderungen geeignete Abwehrstrategien einzusetzen, sollte der Steuerpflichtige sich zunächst über deren Rechtscharakter informieren, denn dieser ist bei den bekanntesten Zuschlägen, nämlich den Säumniszuschlägen, den Verspätungszuschlägen und den Steuerzinsen jeweils völlig unterschiedlich. Der Säumniszuschlag entsteht kraft Gesetzes schlicht durch Nichtzahlung eines Steuerbetrages zum Fälligkeitsdatum. Bereits bei einer Fristüberschreitung von nur einem Tag berechnet der Finanzamtscomputer einen Zuschlag in Höhe von 1% der rückständigen Steuer je angefangenen Monat der Säumnis. Ein bewusstes Tätigwerden eines Finanzbeamten findet hier nicht statt, denn es läuft ein rein kassentechnischer Rechenvorgang ab. Der Verspätungszuschlag hingegen kommt hingegen dann in Betracht, wenn eine Abgabefrist versäumt wurde, etwa die Umsatzsteuervoranmeldung verspätet übermittelt wurde. Die Festsetzung liegt dabei jedoch im Ermessen der Behörde. Um einen Säumniszuschlag aus der Welt zu schaffen, ist ein formeller Erlassantrag notwendig. Gute Chancen hat der Steuerpflichtige idR jedoch nur dann, wenn er nicht bereits in der Vergangenheit mit Zahlungsversäumnissen aufgefallen ist. Beim Verspätungszuschlag sollte stets geprüft werden, ob tatsächlich eine Fristversäumnis bestanden hat und ob das Ermessen fehlerfrei ausgeübt wurde. Nicht selten wird hier nämlich seitens der Finanzbehörde doch deutlich über das Ziel hinausgeschossen, was dann auch moniert werden sollte. Während die genannten Zuschläge beide einen „Strafcharakter“ besitzen, verhält es sich mit den Zinsen auf Steuernachzahlungen völlig anders. Ihre Festsetzung soll nämlich lediglich einen Ausgleich dafür darstellen, dass der Steuerpflichtige oder das Finanzamt in Folge einer späten Steuerfestsetzung der jeweils anderen Seite quasi einen Kredit gewährt hat. Der gesetzliche Zinssatz beträgt hier seit vielen Jahren 6 Prozent, wobei das sich in den letzten Jahren manifestierende Zinstief bisher nicht zu einer Gesetzesanpassung geführt hat. Wer von einer erheblichen Zinsforderung betroffen ist, für den gibt es allerdings einen kleinen Hoffnungsschimmer, denn der Bundesfinanzhof hat kürzlich ernstliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des hohen Zinssatzes geäußert, so dass in geeigneten Fällen überlegt werden sollte, entsprechende Steuerveranlagungen im Wege des Einspruchs in diesem Punkt offenzuhalten.

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Goodbye Deutschland – hello Finanzamt!

Bekanntlich wurde mit dem im Jahre 2005 in Kraft getretenen Alterseinkünftegesetz schrittweise der Systemwechsel zur nachgelagerten Besteuerung von bestimmten Renteneinkünften eingeführt. Dies hat zur Folge, dass im Zeitverlauf immer mehr Bezieher von Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung mit Ihren Einkünften der Einkommensteuer unterliegen und deshalb auch zur Abgabe von Einkommensteuererklärungen verpflichtet sind. Wenn keine weiteren Einkünfte vorliegen, ist der Steuersatz hier aber in aller Regel noch moderat und man kommt als Rentner mit einem relativ kleinen Steuerobolus davon. Eine verlockende Vorstellung ist sicherlich, sein Rentnerdasein im Ausland zu genießen, wobei der sonnige Süden natürlich besonders attraktiv scheint. Es ist allerdings viel leichter, dem schlechten Wetter zu entgehen als den Nachstellungen des deutschen Fiskus! Bezieher einer deutschen Rente bleiben nämlich mit diesen Einkünften in Deutschland steuerpflichtig, und zwar als sogenannte „beschränkt Steuerpflichtige“, was zu einem wichtigen Detail führt: dieser Personengruppe steht kein Grundfreibetrag zu, weshalb die Steuer wesentlich höher ist als im Falle eines im Inland ansässigen Rentners. Bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen kann (und sollte) jedoch zur unbeschränkten Steuerpflicht optiert werden, um diesen Nachteil zu verhindern. Für die Besteuerung der Auslandsrentner existiert eine exklusiv hierfür zuständige Behörde, das „Zentrale Finanzamt für Rentenempfänger mit Wohnsitz im Ausland (RiA)“, welches auch als „Finanzamt Neubrandenburg“ firmierend im Internet unter finanzamt-rente-im-ausland.de weitere Informationen zur Thematik anbietet. Besonders interessant ist hier der Link zu einer Liste der Staaten, bei denen das Besteuerungsrecht beim ausländischen Wohnsitzstaat verbleibt und somit kein Besteuerungsrecht des deutschen Fiskus vorgesehen ist.

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Steuertipps zum Jahresende

Die Besteuerung von Einkommen nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit ist bekanntlich ein tragendes Prinzip des deutschen Steuerrechts. Dennoch ist es möglich, dass Steuerpflichtige mit vollkommen identischen (Erwerbs-)Biografien im Laufe ihres Lebens insgesamt mit höchst unterschiedlichen Steuerbeträgen belastet sind. Der Grund hierfür ist –im Zusammenspiel mit den permanenten Gesetzesänderungen- die sogenannte Abschnittsbesteuerung, also die Besteuerung auf Basis der Verhältnisse eines Kalenderjahres. Was im Leben des Steuerzahlers bzw. in dessen Geldbörse eigentlich keinen Unterschied macht, kann steuerlich von erheblicher Bedeutung sein. So kann es unter Umständen eine große Rolle spielen, ob etwa eine Ausgabe noch am 31.12. oder am 01.01. des Folgejahres getätigt wird. Das Bewusstsein für den zeitlichen Aspekt der Gestaltung von Lebenssachverhalten ist bares Geld wert, allerdings nur, wenn auch eine vorausschauende Planung erfolgt. Wer immer erst ein paar Steuerjahre ins Land gehen lässt, um dann Steuererklärungen gebündelt nachzuholen, verliert naturgemäß erhebliche Spielräume, denn für vollendete Tatsachen besteht in aller Regel lediglich eine einzige zwingende Rechtsfolge. Hier 3 Steuertipps zum Jahresende:

Ja-Wort bis zum 31.Dezember: Wer ohnehin in naher Zukunft den Gang zum Standesamt plant, sollte dies ggf. noch bis zum 31. Dezember erledigen. Dann kann in der Steuererklärung für das Jahr 2017 das Ehegattensplitting für das komplette Jahr beantragt werden. Es winkt u. U. ein Steuervorteil von mehreren Tausend Euro!

Verjährungsfrist beachten: wer zu lange wartet, riskiert seine Steuererstattung! Die Steuererklärung 2013 sollte bis zum Ende des Jahres 2017 beim Finanzamt sein!

Erhöhte GWG-Grenze ab 2018: wer für berufliche/betriebliche Zwecke Gegenstände erwerben will, beispielsweise einen Computer, Büromöbel etc., die mehr als 410 Euro und maximal 800 Euro netto kosten, kann den Kauf ggf. ins kommende Jahr verschieben. Dann können die Kosten direkt 2018 vollständig bei der Steuer abgesetzt und müssen

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Bundesverfassungsgericht kippt Mantelkauf-Regelung

Sie sind Unternehmer und haben es geschafft, nach schwierigen Jahren endlich die Gewinnzone zu erreichen? Da die aktuellen Gewinne betragsmäßig immer noch nicht die kumulierten Verluste der Vergangenheit erreichen, wähnen Sie sich wahrscheinlich zumindest ertragsteuerlich noch „in Sicherheit“, schließlich haben Sie schon mal etwas vom Grundsatz der Besteuerung nach der (wirtschaftlichen) Leistungsfähigkeit gehört, und diese ist ja in Ihrer Situation nach wie vor stark beeinträchtigt. Für viele Unternehmen in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft ist die Wahrheit leider eine andere: das Finanzamt interessiert es nämlich nicht wirklich, dass Ihnen massive Verluste buchstäblich noch „in den Knochen“ stecken. Für die Verlustverrechnung bestehen nämlich empfindliche Restriktionen in betragsmäßiger und auch zeitlicher Hinsicht, die man unbedingt kennen sollte. Das Gesetz sieht bspw. vor, dass der Verlustvortrag verfällt, wenn mehr als die Hälfte der Anteile einer Kapitalgesellschaft den Inhaber wechseln. Bei einer Anteilsübertragung zwischen 25 Prozent und 50 Prozent entfällt der Verlustvortrag anteilig. Nur bei einer Anteilsübertragung von unter 25 Prozent bleibt der Verlustvortrag erhalten. Ursprünglich diente diese Regelung zur Eindämmung der Nutzung von Verlusten, die einem leeren GmbH-Mantel aus ferner Vergangenheit noch anhafteten und die dem neuen Inhaber deshalb möglicherweise viele Jahre steuerfreie Gewinne versprachen. Die zur Eindämmung dieser Praxis getroffene Regelung kann jedoch auch dazu führen, dass bei Anteilsübertragungen (etwa innerhalb der Familie), die überhaupt nicht steuerlich motiviert sind, Verluste steuerlich verfallen. Dass dies nicht dem Gesetzeszweck entsprechen kann, hat inzwischen das Bundesverfassungsgericht erkannt und dem Gesetzgeber aufgetragen, zumindest für die zwischen 2008 und 2015 gültige Gesetzesfassung rückwirkend verfassungsmäßige Neuregelungen zu erlassen. Ungünstige Körperschaftsteuerbescheide sollten daher in diesem Punkt von den Betroffenen genau geprüft und ggf. offengehalten werden.

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Neues zum „Arbeitszimmer-Sharing“

Wer von zu Hause aus arbeitet und sich hierfür einen separaten Raum eingerichtet hat, kann die Kosten dieses „häuslichen Arbeitszimmers“ in bestimmten Fällen als Werbungkosten (im Falle der Selbstständigkeit: als Betriebsausgaben) steuerlich geltend machen. Dies funktioniert dann, wenn dem Steuerpflichtigen für seine berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht oder das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt. Im erstgenannten Fall ist der Abzug per Gesetz auf 1250 € beschränkt, ansonsten sind die entsprechenden Aufwendungen unbeschränkt abzugsfähig. Können die Kosten (Miete, Wasser, Energie, Reinigung, Versicherung, Grundbesitzabgaben, Finanzierungszinsen etc.) nicht direkt dem Arbeitszimmer zugeordnet werden, müssen diese entsprechend dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche aufgeteilt werden. Das „häusliche Arbeitszimmer“ darf jedoch getrost als steuerrechtlicher Dauerbrenner bezeichnet werden, denn es beschäftigt regelmäßig die Finanzgerichte. Aktuell gibt es steuerzahlerfreundliche Entscheidungen, die den o.g. Fall betreffen, in denen der Abzug auf 1250 € limitiert ist. Bisher galt eine objektbezogene Betrachtungsweise, demnach konnten sich Kosten eines Arbeitszimmers, welches von mehreren Personen genutzt wurde, nur insgesamt bis zum genannten Höchstbetrag steuermindernd auswirken. Nutzte beispielsweise ein Ehepaar ein Arbeitszimmer gemeinsam, musste der Höchstbetrag auf beide Ehegatten aufgeteilt werden. Der Bundesfinanzhof (Az.: VI R 53/12 und Az.: VI 86/13) sieht dies nun anders: bei Nutzung eines häuslichen Arbeitszimmers durch mehrere Personen kann jeder die auf ihn entfallenden Kosten bis zum Höchstbetrag von € 1250 als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben absetzen. Wichtig ist jedoch, dass es sich hier nicht um Pauschalen, sondern tatsächlich um Höchstbeträge handelt. Dies bedeutet, dass dem Finanzamt die Kosten anhand von Rechnungen, im Fall der erstmaligen Geltendmachung auch die Wohnflächenverhältnisse durch Vorlage von Grundrissen nachzuweisen sind. Wer hier also System reinbringt, kann sich künftig sehr wahrscheinlich über eine schöne zusätzliche Steuererstattung freuen.

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Grünes Licht für die rückwirkende Rechnungsberichtigung

Bezieht ein Unternehmer im Sinne des Umsatzsteuerrechts Leistungen von einem anderen Unternehmer, so steht ihm bekanntlich das Recht zu, die in den Eingangsrechnungen ausgewiesene Umsatzsteuer bei der eigenen Umsatzsteuerzahllast zum Abzug zu bringen. Für diesen sogenannten Vorsteuerabzug ist allerdings das Vorliegen einer ordnungsgemäßen Rechnung unabdingbare Voraussetzung. Die Pflichtbestandteile eines solchen Abrechnungspapiers sind sogar gesetzlich geregelt, und zwar in § 14 des Umsatzsteuergesetzes. Obwohl diese eigentlich sämtlichen Rechnungsaustellern bekannt sein dürften, gelangen immer wieder Rechnungen in Umlauf, bei denen wichtige Angaben fehlen bzw. nicht korrekt sind, wie bspw. die Steuernummer oder die genaue Bezeichnung des Rechnungsempfängers. In der Hektik des Buchhaltungsalltags fällt dies oft zunächst nicht auf und die moderne Buchungssoftware rechnet ungerührt die 19 % aus dem Bruttobetrag heraus und parkt den Steuerbetrag automatisch auf dem Konto für die abziehbare Vorsteuer. Das Prinzip „aus den Augen- aus dem Sinn“ findet dann oft sein Ende bei der nächsten Außenprüfung des Finanzamts. Es droht die rückwirkende Aberkennung des Vorsteuerabzugs, oftmals verbunden mit erheblichen Nachzahlungen und den allseits „beliebten“ Steuerzinsen von 6 % jährlich. Der betroffene Unternehmer sollte sich jedoch nicht zu lange mit dem Ärger über die rein formellen Gründe für diese Änderung befassen, sondern vielmehr die Korrektur der mangelhaften Rechnung veranlassen. Damit konnte bereits bisher der Vorsteuerabzug gerettet werden, allerdings nur mit Wirkung ab dem Zeitpunkt der erfolgten Berichtigung und somit ohne Einfluss auf die bereits angefallenen Steuerzinsen. Abhilfe kam jedoch kürzlich von den obersten Steuergerichten: sowohl der Europäische Gerichtshof als auch der Bundesfinanzhof haben in ihren Urteilen grünes Licht für eine rückwirkende Berichtigung gegeben, so dass Leistungsempfänger den Vorsteuerabzug zum Zeitpunkt des ursprünglichen Rechnungsempfangs geltend machen können.

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Längst kein Exot mehr: die Künstlersozialabgabe

„Endlich mal eine Abgabe, mit der ich nichts zu tun habe“, werden Sie als Unternehmer denken, wenn Sie den Begriff „Künstlersozialabgabe“ hören. Doch der exotisch anmutende Begriff trügt! Die Relevanz ist tatsächlich völlig unabhängig davon, ob  der Unternehmer „etwas mit Kunst am Hut hat“. Schauen Sie doch einmal in die Konten Ihrer Buchhaltung, und zwar genauer in den Bereich der Werbeaufwendungen. Sind hier etwa Kosten einer Werbeagentur für die Gestaltung einer Firmenbroschüre zu finden? Wurde evtl. ein Fotograf angeheuert, der für vernünftiges Bildmaterial auf der Webseite sorgen sollte? Liegen diese oder ähnliche Sachverhalte vor, sind Nachforderungen der Künstlersozialkasse nicht mehr weit.  In der seit dem Jahr 1983 bestehenden Künstlersozialversicherung (KSV) sind selbständige Künstler und Publizisten unter bestimmten Voraussetzungen gesetzlich renten-, kranken- und pflegeversichert. Die KSV finanziert sich zu 50 % aus Beiträgen der versicherten Künstler und Publizisten, zu 20 % aus einem Bundeszuschuss und zu 30 % aus einer von den Auftraggebern zu tragenden Künstlersozialabgabe. Die Künstlersozialabgabe ist quasi der „Auftraggeberanteil“ zur KSV vergleichbar dem Arbeitgeberanteil bei Sozialversicherungsbeiträgen für Arbeitnehmer. Anders als bei allen anderen Selbständigen hat also ein Unternehmen im Falle der Beauftragung selbständiger Künstler und Publizisten unter Umständen Sozialabgaben zu entrichten. Die Künstlersozialabgabe beträgt  zurzeit 5,2 % der an selbständige Künstler und Publizisten geleisteten Entgelte.  Die Abgabepflicht setzt in der Regel voraus, dass eine natürliche Person (Einzelunternehmer) bzw. Personengesellschaft (GbR, Partnerschaftsgesellschaft) Auftragnehmer ist. Es spielt keine Rolle, ob der Auftragnehmer steuerlich als Freiberufler oder Gewerbetreibender gilt oder ob der Auftragnehmer überhaupt über die KSV versichert ist. Der abgabenrelevante Künstlerbegriff ist grundsätzlich weit gefasst und geht über die im Steuerrecht verwendete Künstlerdefinition hinaus. So setzt „Kunst“ nach der Rechtsprechung der Sozialgerichte lediglich voraus, dass das zu beurteilende Werk den Gattungsanforderungen eines bestimmten Kunsttyps entspricht. Somit sind beispielsweise auch Werbefotografen als Künstler im Sinne der KSV anzusehen. Die künstlerische Qualität ihrer Bilder ist hierbei ohne Belang! Da die Sozialversicherungsprüfer in letzter Zeit sehr gezielt nach „unverbeitragten“ Künstlerhonoraren fahnden, sollten Unternehmer bereits beim Bezug von beitragspflichtigen Leistungen darauf achten, dass seitens der Auftragnehmer in deren Abrechnungen keine Vermischung künstlerischer mit sonstigen Leistungen erfolgt. So lösen etwa bloße Druckkosten keine Abgabepflicht aus und verursachen bei unpräziser Abrechnung schnell unnötige Mehrkosten.

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Die Tücken der Kleinunternehmerregelung

Ein Unternehmen wird in aller Regel nicht als Großkonzern „geboren“. Nicht wenige der heute so bekannten Weltfirmen entstanden ursprünglich in den (kalifornischen) Garagen ihrer Gründer. Wer sich mit einer Geschäftsidee selbstständig macht,  stolpert schnell über den Begriff des „Kleinunternehmers“. Dieser Terminus stammt aus dem Umsatzsteuerrecht. Dort bestehen Regelungen, die Unternehmer mit nur geringen Umsätzen von der Teilnahme am System der Umsatzbesteuerung freistellen und diesen Personenkreis somit administrativ und finanziell entlasten sollen. Sowohl nebenberuflich als auch hauptberuflich Selbstständige, die nur geringe (steuerpflichtige) Umsätze erzielen, können von diesen Erleichterungen profitieren. Die Umsatzgrenze, welche der Unternehmer hierfür aber dauerhaft nicht überschreiten darf, liegt bekanntlich bei 17.500 Euro. Dies klingt soweit ganz harmlos. Doch da wir es hier mit deutschem Steuerrecht zu tun haben, sind Tücken und Fallstricke nicht weit! Denn der Unternehmer muss seinen umsatzsteuerlichen Status immer selbst im Blick haben, um schwere wirtschaftliche  Nachteile zu vermeiden. Höchste Aufmerksamkeit ist hier im Rahmen des Jahreswechsels geboten. Verliert der Unternehmer aufgrund der Höhe seines Umsatzes den Anspruch auf die Kleinunternehmer-Regelung, müssen seine Leistungen ab dem 1.1. des neuen Jahres der Umsatzsteuer unterworfen werden. Für die Kalkulation seiner Absatzpreise macht dies einen erheblichen Unterschied aus! Besonders gefährdet sind Unternehmer, die irgendwann im Laufe des Jahres  ihren Betrieb aufnehmen.  Nur allzu leicht wird nämlich vergessen, den Umsatz des ersten Jahres für die Überprüfung der Umsatzgrenze vorschriftsgemäß in einen Jahresumsatz umzurechnen! Ein Beispiel:  wer am 1. September gründet und bis zum Jahresende den scheinbar harmlosen Umsatz von 5.000,00 erzielt hat, ist wegen Überschreitens der Umsatzgrenze ab dem Folgejahr kein Kleinunternehmer mehr! Fällt dies dann erst Monate oder gar Jahre später auf, droht ein erheblicher wirtschaftlicher Schaden. In den meisten Fällen dürfte es nämlich aussichtslos sein, die Umsatzsteuer vom Kunden nachträglich noch zu verlangen, so dass die Nachforderungen des Fiskus aus dem „Eingemachten“ beglichen werden müssen. Hinzu kommt, dass bei fehlender Pflicht zur Anmeldung von Umsatzsteuer der Steuerpflichtige (zunächst) keine Notwendigkeit für eine unterjährige Beratung sieht und auch das Thema „Buchhaltung“ insgesamt gerne mal etwas lockerer angeht. Dabei kann so mancher Albtraum durch eine kurze aber rechtzeitige  Einweisung durch Fachleute mit sehr einfachen Mitteln vermieden werden.

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Steuerberatung „in the Cloud“

Neue Perspektiven durch die Digitalisierung von Arbeitsabläufen

Die Erkenntnis, dass die zunehmende Digitalisierung unseres Lebens längst kein vorübergehender Trend mehr ist, dürfte sich inzwischen allgemein durchgesetzt haben. Während früher die Umstellung auf elektronische Arbeitsprozesse noch als „nette Geschichte“ wahrgenommen wurde, die vor allem für Großunternehmen interessant schien, muss man heute zur Kenntnis nehmen, dass die „Nicht-Digitalisierung“ selbst für kleinere Unternehmen und sogar Privatpersonen echte Nachteile mit sich bringt. Wer etwa kein Online-Banking betreibt (oft trifft dies für unsere Senioren zu) zahlt bspw. für papierhafte Überweisungen deutlich höhere Gebühren an seine Bank, strebt doch diese im Zeitalter von Negativzinsen nach einer Kompensation für sinkende Zinserträge. Doch die neuesten Technologien bieten auch erhebliche Chancen, die auch für kleinere  Unternehmer hochinteressant sein können. So gibt es etwa im Bereich des digitalen Dokumentenmanagements sehr preiswerte Lösungen für das Arbeiten in der sogenannten „Cloud“. Beim „Cloud Computing“  werden Programme nicht mehr auf lokalen Rechnern des Unternehmens installiert. Die Programmfunktionen werden stattdessen auf einem  Server des jeweiligen Anbieters, welchen der Anwender i.d.R. über das Internet erreichen kann, zur Verfügung gestellt.  Diese Technologie eröffnet auch  in der Zusammenarbeit des Mandanten mit seinem Steuerberater interessante Perspektiven. Unterlagen brauchen nicht mehr zur Verbuchung ins Steuerbüro gefahren zu werden und bleiben so im Hause des Unternehmers. Ein Scanner sowie ein recht einfach ausgestatteter PC genügen für das Hochladen der Belege auf den Server des Beraters. Berater und Mandant blicken nunmehr gemeinsam auf einen einheitlichen Dokumentenbestand, Zweifel darüber, ob ein bestimmter Beleg eingereicht wurde, können sehr schnell ausgeräumt werden. Umgekehrt kann der Steuerberater nun papier- und zeitsparend Auswertungen online zur Verfügung stellen, auf welche der Unternehmer auch über Tablets/Smartphones zugreifen kann. Doch es geht noch mehr: in der Cloud des Steuerberaters können Applikationen zur Verfügung gestellt werden, die den Mandanten in den Prozessen, die der Buchhaltung vorgelagert sind (Banking, Kassenbuch, Personalabrechnungen, Aufträge und Faktura usw.), erheblich entlasten. Insbesondere kleinere Betriebe, die keine eigene EDV-Abteilung haben und sich deshalb mit der Implementierung  neuer Techniken etwas schwer tun, unternehmen so unter der Anleitung ihres Beraters erste wichtige Schritte zur Anpassung an heutzutage nahezu unverzichtbare Arbeitstechniken.  Wie so oft im Leben gilt auch hier: besser fehlerhaft beginnen, als perfekt zögern!

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